Montag, 27. Januar 2014

Buchkritik


Glaube, Träume, Selbstzerstörung

Manchmal ist die Erinnerung an Indochina wie die an eine Liebesaffäre aus Jugendtagen, als die Welt noch ein Spielplatz war. Manchmal ist sie wie ein Alptraum, aus dem ein Erwachen nicht möglich ist. Liebe ist der falsche Ausdruck für das, was ich für Indochina empfinde. Ich glaube, Sucht ist das bessere Wort.1

Man ist hier frei von vielen moralischen, juristischen und sozialen Beschränkungen, die einem in Deutschland auferlegt sind. Das hört sich vielleicht toll an, tatsächlich sollte es aber eher Angst machen. […] Manche werden von ihrem Leben mitgerissen und davongetragen. Wer sich selbst zerstören will – bitte schön, hier wird Sie niemand aufhalten.2

„Gebrauchsanweisung für Vietnam, Laos und Kambodscha“ ist ein etwas unkonventioneller Reiseführer verfasst von Benjamin Prüfer. Das Buch erschien 2011 beim Piper Verlag in München.
In dem Buch setzt sich der Autor mit vielen Facetten des Lebens in den drei Ländern auseinander. Er berichtet von seinen Erfahrungen. Anders als in normalen Reiseführern, werden keine Hotel oder Sightseeing Tipps an den Leser gegeben. Man erhält viel eher einen Einblick in den Alltag der Einheimischen und erfährt wie es ist, dort als Europäer zu leben.
Benjamin Prüfer selbst lebt in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas mit seiner Frau Sreykeo und ihren 3 Kindern. Berühmt geworden ist er mit seinem Buch „Wohin du auch gehst“, welches unter dem Titel „Same Same But Different“ verfilmt wurde. Darin beschreibt er seine eigene Geschichte, wie er sich in ein „Bargirl“ verliebt, welches HIV hat – seine Frau Sreykeo. Seit 2009 lebt er nun in Asien und arbeitet von dort aus als Journalist und Autor. 
Er erlebt das Land aus einem ganz anderen Blickwinkel, als es Touristen tun.

In 29 Kapiteln versucht Prüfer uns das Leben in diesen Teil Asiens näher zu bringen. Er schildert Dinge aus seiner Sicht, wie er sie erlebt. Was er dabei fühlt. Er geht darauf ein was, Touristen bzw. Europäer erwarten, denken und was sie letztendlich dort vorfinden werden. Er räumt mit Vorurteilen auf über Religion und Kultur. Und all das ohne belehrend oder besserwisserisch zu sein. Er lobt sein Leben dort nicht in den Himmel, viel eher vergleicht er es immer wieder mit einer „Sucht“1. Sein Buch ist authentisch und ehrlich, es verschönt und verschont nichts. Weder den Leser noch das Berichtete.
Ich selbst war in bereits in Kambodscha und Vietnam und habe die Länder und Leute zwar nicht ganz aus der Sicht Benjamin Prüfers kennengelernt, aber auch nicht aus der Sicht eines Touristen gesehen.
Wenn ich das Buch lese, fühle ich mich erinnert an die Zeit dort. Es bringt mich zum schmunzeln und nachdenken.
Das Buch habe ich erst fast ein Jahr nach meinem Aufenthalt dort gelesen. Im Nachhinein konnte ich mit dessen Hilfe einige Situationen besser verstehen. Andererseits haben sich auch einige neue Fragen in meinem Kopf gebildet.

„Gebrauchsanweisung für Vietnam, Laos und Kambodscha“ ist interessant für all diejenigen, die mehr wissen wollen über diese Länder, als das ganze Geschwafel und die Oberflächlichkeiten, dass man in den anderen Reiseführern lesen kann. Man kann sehr viel im Vorfeld einer Reise lernen, oder im Nachhinein verstehen. Doch sollte man nicht dort hinfahren und so tun als wüsste man bereits alles. Viel mehr sollte man die Reise in diese geheimnisvollen Länder genießen und über das beschriebene Nachdenken, es eventuell mit eigenen Erfahrungen vergleichen und sich ein eigenes Bild über die Kultur und die Menschen machen.


Anne Talenta

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