Montag, 20. Januar 2014

Meinungsträger Leitartikel

Der Begriff "Leitartikel" beschreibt einen besonderes hervorgehobenen Meinungsartikel, der die Ansichten eines Redakteurs bzw. einer ganzen Redaktion zum Ausdruck bringen soll. Er kommentiert vorwiegend aktuelle politsche bzw. wirtschaftliche Ereignisse, kann aber auch spekulativ zukünftige Ereignisse betrachten.

Dem Aufbau eines klassischen Zeitungsartikels folgend, soll der Leitartikel mittels  Pro- und Kontraargumentation den Leser zur Bildung einer eigenen Meinung bewegen. 

Im folgenden werde ich den Leitartikel "Hamburger Härte" von Bernhard Honnigfort, erschienen am 09.01.2014 auf www.berliner-zeitung.de, einer Kurzanalyse unterziehen.  Der Artikel befasst sich mit den Krawallen um das linke Kulturzentrum "Rote Flora" am 21.12.2013 in Hamburg.

Überschrift

  • "Hamburger Härte"  

- Aufmerksamkeit des Lesers wird durch Frage erzeugt: Was verbirgt sich hinter "Hamburger Härte" 
- Stilmittel der Alliteration lenkt Auge des Lesers auf den Titel

             
Lead

  • "Die Gründe für die Eskalation der Hamburger Straßengewalt sind auch in dem politschem Trauma  zu suchen, dass die Jahre des Rechtspopulisten Schill bei den hanseatischen Sozialdemokraten hinterlassen haben."  

- Leser wird an Thema heranfgeführt
- Interesse des Lesers wird aufrecht erhalten: Leser fragt: Wie wird Autor dies begründen ?


Wertende Aussagen, Meinung des Autors
   
  • "Die Nachrichten aus der Freien und Hansestadt Hamburg klingen, als kämen sie aus einer terrorgebeutelten Weltgegend [...]"
  •  "[...] doch scheinen die Krawalle insgesamt nur bedingt politisch motiviert." 
  •  "Zwischen den Aktivisten der Roten Flora und den meist jungen vermummten Männern, die mit Steinen und Böllern [...] Drogerien und Bankschalter zerstören, gibt es allenfalls lose Verbindungen."
  •  "Die Gewalt ist unpolitisch, zufällig und eruptiv."
  •  "Den Hamburger Sozialdemokraten scheint noch das Schill-Trauma in den Knochen zu stecken, über das die SPD vor gut 13 Jahren die Macht in Hamburg verlor, weil sie es zugelassen hatte, dass sich um den Hauptbahnhof eine unerträgliche Drogenszene breitgemacht hatte." 

Überblick Faktenlage

Im Artikel werden neben der Meinung des Autors natürlich auch reine Fakten genannt:
          
  • "Die Polizeigewerkschaft mahnt, das in Hamburg erreichte Ausmaß an Gewalt könne  den              „Schusswaffengebrauch situationsbedingt wahrscheinlich“ machen."
  • "Bei der Suche nach Gründen werden immer wieder drei sozialpolitische Komplexe genannt.      Erstens das Kulturzentrum Rote Flora, [...] Zweiter Konfliktherd sind die Esso-Häuser in St. Pauli. [...] Und drittens geht es bei den Protesten auch um die Lampedusa-Flüchtlinge,[...]" 
Schluss
  • "Es wäre jetzt die Aufgabe des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz, sich den von Gewalt verschütteten Themen wieder zuzuwenden [...] ."
  • "Höchste Zeit also, wieder Politik zu machen, höchste Zeit für Nachdenken, für Deeskalation und für Lösungsversuche im Detail."

Fazit der Analyse

Der Autor äußert sich in seinem Artikel nicht nur kritisch gegenüber der Hamburger SPD, sondern verurteilt die Gewalteskalationen im Hamburger Kiez generell. Dabei macht er weder die Linksautonomen selbst, noch die Polizei verantwortlich. sucht und findet die Schuld für die Eskalation und die Errichtung der Gefahrenzonen hauptsächlich in der Angst der politschen Führung Hamburgs, die nächste Legislaturperiode wieder in der Opposition bestreiten zu müssen. Dem Autor gelingt es seine Meinung argumentativ zu belegen und somit den Ansichten anderer Zeitungen, die zumeist auf eine Verurteilung linker Gewalttäter abzielten, Einhalt zu gebieten. Der Leser wird somit aufgefordert die Thematik differenzierter zu betrachten und sich nicht nur durch die Meinungsbildung der im Focus der Öffentlichkeit stehenden Medienkonzerne beeinflussen zu lassen.

Autor: Tom Schreck

Quellen:


1. http://www.berliner-zeitung.de/meinung/leitartikel-zu-hamburg-hamburger-haerte,10808020,25838316.html
2. W. von LaRoche: Einführung in den praktischen Journalismus. Mit genauer
    Beschreibung aller Ausbildungswege. Deutschland, Österreich, Schweiz, München 1999
3. W. Schneider / P.-J. Raue: Handbuch des Journalismus, Reinbek 1998
4. Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried; Wilke, Jürgen (Hrsg.): Fischer Lexikon. Publizistik  Massenkommunikation. Frankfurt 2000

         
              








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