Montag, 13. Januar 2014

Stell dir vor, es ist Krieg – und einer geht hin

Kriege sind ein ewig währender Teil der Weltgeschichte, der die Menschheit bis heute begleitet. Immer wieder hört man von verwundeten oder sogar getöteten Soldaten in den Medien, sei es Zeitung, Fernsehen oder Radio. Zudem ist gerade dieses politische Thema ein heiß diskutierter Brennpunkt in der Bevölkerung. Umso wichtiger sind präzise Informationen.

Doch wie kommt der Krieg überhaupt in die Medien?

Kriegsreporter – wenn die Berichterstattung zur Lebensgefahr wird.

Szenischer Einstieg:

  • „Als die Mauer fällt und Millionen Ostdeutsche die Reiseziele des bundesrepublikanischen Traums ansteuern – Mallorca, Paris, die USA oder wenigstens Österreich –, da macht sich der Ostberliner Thomas Grabka auf an den Ort des kommunistischen Albtraums: Er fährt nach Afghanistan.“
  • „Es ist der 3. Oktober 1993 gegen 15:40 Uhr. An exakt diesem Punkt der Zeitleiste gibt es exakt einen Ort auf der Welt, an dem man nicht sein sollte: in der Nähe eines feingliedrigen, großen, schwarzen Mannes mit sanfter Stimme, mitten in Mogadischu, Somalia.“


Einstieg mit Zitat:

  • „Im „Café Einstein“ sitzt Julian Reichelt, 32, Kriegsreporter der „Bild“-Zeitung vor einem Cappuccino und sagt: „Die Nato muss eine Flugverbotszone über Aleppo einrichten. Aber in der Politik heißt es nur: Geht nicht – die syrische Luftabwehr – ha!“ “


Hauptpersonen:

  • 3 (bzw. eine pro Story)

Verwendung von Zitaten:

  • „ „Ich war in Masar-i-Scharif. Ohne irgendeine Ankündigung leerte sich auf einmal der Basar. Es war unheimlich. Dann kamen die Taliban.“ “
  • „ „Der, gegen den ich auf einer der Reisen Schach gespielt habe, war auf einmal Außenminister; der, mit dem ich Tee getrunken hatte, Sicherheitschef.“ “
  • „ „Einen Meter weiter links, und wir wären tot gewesen. Was war das nun: Schicksal, der Wind, ein unvorhergesehenes nervöses Zucken bei dem Soldaten, der geschossen hat? Ich tendiere zu Schicksal.“ “
  • „ „Für mich fühlte sich das an, als kämen Kugeln von oben, unten, rechts und links – Rauch, ein Krachen, Schreie –, ein Dante’sches Inferno“ “
  • „ „Erstens: keine Teleobjektive aus Fenstern halten, das wird mit Kanonenrohren verwechselt. Zweitens: Flüchte immer in schon zerschossene Häuser – auf die schießt keiner mehr. Drittens: Wenn du wohin gehst, überlege dir vorher, wie du wieder rauskommst. Wenn es wirklich gefährlich wird: flüchte.“ “


Hintergrundinformationen:

  • Grabka, ein 53-jähriger Mann mit schütterem Haar, spricht Berliner Dialekt.“
  • „Julian Reichelt ist der Jungstar der deutschen Kriegsreportergilde. Er trägt eine Brille, einen Zweitagebart und eine North-Face- Jacke. So sehen junge Väter aus, die gerade vom Wochenendausflug zurückgekommen sind und ansonsten in vor Fahrräder gespannten Holztonnen ihren Nachwuchs spazieren fahren. Reichelt, verheiratet, ist vor zwei Tagen aus Syrien wiedergekommen.“
  • „Im Hotel „Green Mountain“, Zimmer 319, in dem schon ein gewisser Wüstenfuchs abgestiegen war, […] . Er rief seine Freundin an: „Schatz, ich liege im Bett von Rommel.“ “


Spannungsbogen/roter Faden:

  • Spannungsbogen ist sehr unregelmäßig
  • roter Faden ist leicht zu verfolgen


gestalteter Schluss:

  • „Er hat es gut überstanden, denkt er. Manchmal will er allerdings in Deckung gehen. Dann hört er das Knattern eines ADAC-Hubschraubers und denkt, es ist Krieg.“
  • „Männer auf der Suche nach Gottes Entscheidung – vielleicht ist Kriegsreporter doch der größte Egotrip der modernen Welt. Wer kann schon nach Gott suchen in Aleppo? Ein exklusives Vergnügen. Eine elitäre Angelegenheit. Vielleicht sogar eine Extremerfahrung, die süchtig macht. Eine Woche später will Julian Reichelt wieder nach Syrien.“
  • „Wie verarbeitet man diese Trips? Man muss wohl einer sein, der Gefahren nur bei anderen sieht. Einmal, wieder in Österreich, da begleitete Wendl den FPÖ-Mann Haider zum Bungeespringen. „Ich sagte zu ihm: ,Warum bringst du dich freiwillig in Gefahr? Würde ich nie machen.‘ “ Haider sprang. Wendl nicht. Stattdessen fuhr er nach Tschetschenien. Will er das weitermachen? Er überlegt. Und sagt einen seltsamen Satz: „Ich würde es schon überleben, wenn es keine Kriege gäbe.“ “


bildhafte Sprache:

  • „Reichelt wollte etwas tun und hielt wenigstens die Hand eines schwer verletzten Soldaten. Die Hand erschlaffte und sank zu Boden. Der Mann starb.“
  • „Jahrelang hatten die Taliban mit ihrem Terrorregime im toten Winkel der Geschichte agieren können.“


Fazit:

Die Reportage „Stell dir vor, es ist Krieg – und einer geht hin.“ erfüllt viele Merkmale der klassischen Reportage, jedoch nicht alle. Der Reporter wechselt immer wieder zwischen Präsens und Präteritum hin und her. Zudem lebt die Reportage weniger von der bildhaften Sprache des Reporters als viel mehr von den vielen detaillierten Erzählungen der Interviewten. Weiterhin gibt es keinen durchgängigen Spannungsbogen, da mehrere einzelne Handlungen angesprochen werden. Dies ist jedoch des Themas der Reportage (Leben als Kriegsreporter) geschuldet, und nicht der Kompetenz des Autors.

Alles in allem, ist diese Reportage sehr lesenswert, informativ und unterhaltsam.

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